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Keine Angst vor dem Finanzamt

Wer eine Photovoltaikanlage errichtet, beschäftigt sich häufig besonders mit den technischen Aspekten: Welcher Modultyp? Wie viel kWp? Batteriespeichersystem, ja, nein? Allzu gerne würde man die steuerrechtlichen Themen ausblenden. Warum es sich jedoch lohnt, diese von Anfang an mit einzubeziehen und warum im Grunde alles nicht allzu kompliziert ist, erklären wir in diesem Artikel.

Eines vorweg: Die bearbeiteten Sachverhalte sind allgemeine Beispiele. Zur personalisierten Steuerberatung verweisen wir – im Sinne des Steuerberatungsgesetzes – auf Ihren Steuerberater.

Was hat das Finanzamt überhaupt mit meiner Photovoltaikanlage zu tun?

In der Regel verbraucht der Betreiber einer PV-Anlage nur etwa 30-60 % des erzeugten Stromes selbst. Der Überschuss wird gewinnbringend an den Netzbetreiber verkauft. Damit ist der Betrieb der PV-Anlage eine gewerbsmäßige Tätigkeit und steuerpflichtig.

Muss ich meinen Strom überhaupt verkaufen?

Nein. Einige Netzbetreiber bieten Vereinbarungen zum Verzicht auf die EEG Vergütung an. Dies anzunehmen macht aber nur selten Sinn (z.B. bei Balkonkraftwerken) Sinn. Tatsächlich trägt die Einspeisevergütung einen erheblichen Teil zum wirtschaftlichen Gewinn der Anlage bei. Deshalb lohnt es sich, den Überschussstrom zu verkaufen.

Beispiel: Photovoltaikanlage mit 10.000kWh Jahresertrag. Stromkosten 30 ct./kWh. Einspeisevergütung 9 ct./kWh

Eigenverbrauch

Einspeisung

Stromkostenersparnis [€/Jahr]

Einspeisevergütung [€/Jahr]

Anteil der Einspeisevergütung am   Gewinn der Anlage

0%

100%

0 €

900 €

100%

10%

90%

300 €

810 €

73%

20%

80%

600 €

720 €

55%

30%

70%

900 €

630 €

41%

40%

60%

1.200 €

540 €

31%

50%

50%

1.500 €

450 €

23%

60%

40%

1.800 €

360 €

17%

70%

30%

2.100 €

270 €

11%

80%

20%

2.400 €

180 €

7%

90%

10%

2.700 €

90 €

3%


Wie muss ich meine Anlage nun Anmelden?

In Folge möchten wir zwei extreme Pfade skizzieren. Die Angaben hierbei sind vereinfacht, pauschalisiert und ohne Gewähr.

Strategie 1 kann sich vor allem für große Anlagen inklusive Batteriespeicher lohnen. Bei kleineren Anlagen und entsprechend geringerem Investitionsvolumen könnte Strategie 2 attraktiver wirken.

Strategie 1: Ich möchte die Anlage möglichst wirtschaftlich betreiben

Zentraler Idee dieser Strategie ist die Rückerstattung der Umsatzsteuer der Gesamtinvestition (Photovoltaikanlage / + Batteriespeichersystem) durch das Finanzamt. Bei einem Investitionsvolumen von 20.000€ und 19% USt. sind das immerhin 3.800€ (2020 | 16% USt. | 3.200€).

Um diese Umsatzsteuer zurückerstattet zu bekommen, wird die Anlage als Gewerbe beim Ordnungsamt angemeldet. In Folge teilt das Finanzamt die Steuernummer und den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zu.

Dort erklärt man den erwarteten Gewinn und entscheidet sich für die sogenannte Regelbesteuerung. Durch die Regelbesteuerung wird die Photovoltaikanlage wie als gewerbliche Investition betrachtet. In Folge wird die Umsatzsteuer der Anlage zurückerstattet. Im Gegenzug dazu fällt aber Umsatzsteuer auf den sebstverbrauchten Strom an (3,8 ct/kWh).

Nach einer sogenannten Bindungsfrist von 5 Kalenderjahren kann es möglich sein in die sogenannte Kleinunternehmerregelung zu optieren. Wenn dies gelingt, fällt ab da sogar die Umsatzsteuer auf den selbstverbrauchten Strom weg.

Strategie 2: Ich möchte möglichst nichts mit dem Finanzamt zu tun haben

Bei dieser Strategie geht es darum den bürokratischen Aufwand einer Photovoltaikanlage auf ein Minimum zu begrenzen.

Zunächst muss man die Gewinnerzielungsabsicht widerlegen. Sollte die Anlage über die Abschreibungsdauer einen Verlust erwirtschaften, spricht man nicht mehr von einem Gewerbebetrieb, sondern von einer „Liebhaberei“. Verlust im Sinne des Finanzamtes bedeutet, wenn über die Abschreibungsdauer der Photovoltaikanlage (20 Jahre) höhere Ausgaben (inkl. Abschreibung) als Einnahmen erwartet werden. Als Einnahmen gelten hierbei sowohl die Einspeisevergütung als auch die Eigennutzung.

Ist man nicht in einem anderen Verhältnis unternehmerisch tätig, kann man weiterhin die Kleinunternehmerregelung wählen. Mit dieser ist man von der Umsatzsteuer befreit, sofern die Einnahmen 22.000€ pro Jahr nicht übersteigen.


Wissenswertes:

  • Bei einer Anlagengröße bis 10kWp ist keine Mitgliedschaft in der IHK mehr notwendig (§3 Nr. 32 GewStG).
  •  Ab 2021 sind unterjährige Umsatzsteuervoranmeldungen nicht mehr nötig, wenn: jährlich weniger als 1.000€ USt. anfallen. (Typischer Fall bei Anlagen <10kWp).
  • Batteriespeicher sind Vorsteuerabzugsfähig, wenn Sie gemeinsam mit der Photovoltaikanlage beschafft werden.



Weiterführende Links

Besonders empfehlenswert sind die Artikel von Thomas Seltmann, welcher häufig im PV-Magazine über steuerrechtliche Themen publiziert.

https://www.pv-magazine.de/2019/09/27/photovoltaik-ohne-finanzamt/

https://www.pv-magazine.de/2020/03/03/was-sich-2020-fuer-photovoltaik-betreiber-steuerlich-aendert/

https://www.pv-magazine.de/2018/09/21/gefaehrliches-halbwissen/